Samstag, 16. Dezember 2017


Italien, Bonarcado (Sardinien, Provinz Oristano):
Pfarrkirche Santa Maria, 1110 - 1146 erbaut



Gleich hinter dem byzantinischen Sanktuarium
aus dem 6. oder 7. Jhdt. ...


 

... steht mitten am Hauptplatz von Bonarcado
 die romanische Pfarrkirche Santa Maria,
die 1146 oder 1147 im Beisein des Erzbischofs von Pisa 
erstmals geweiht worden ist.


 

Mit ihrem Bau wurde kurz nach 1110 begonnen,
nachdem das byzantinische Sanktuarium
an die Kamaldulenser von San Zeno in Pisa ergangen war.



Santa Maria ist aus dunklen Basaltsteinen errichtet,
die aus der Region stammen, ...



... mit zeitweiliger Einfügung rötlicher Trachytsteine,
wie man hier gut sehen kann.



Die Kirche, die ursprünglich mit nur einem Schiff
in Form eines lateinischen Kreuzes erbaut worden war,
wurde von 1242 - 1268 Richtung Osten erweitert.



Dabei wurden die ursprüngliche Apsis abgebrochen,
das Kirchenschiff um zwei weitere, 
aber nur kurze Seitenschiffe erweitert
sowie eine neue halbrunde Ostapsis errichtet.



An der Südseite wurde ein Campanile 
mit quadratischem Grundriss angefügt, ...



... dann wurde die Kirche erneut geweiht.
 


Die Westfassade ist geprägt von den drei Rundbögen,
dessen mittlerer das Portal der Kirche überragt.



Hier sind "nach toskanischer Art" 
rötliche Trachytsteine eingesetzt worden.

Die genaue Funktion der vier Kragsteine auf mittlerer Höhe
ist bis heute unbekannt.



Die Nordseite der Kirche ist heute komplett zugemauert.



Innen wirkt die Kirche sehr dunkel, ...



... da sie nicht viele Fenster hat.



Nur die östliche Hälfte hat auch Seitenschiffe, ...



... die wie das Langhaus mit Holz gedeckt sind.



Die große Apsis ist steinsichtig
und hat wahrscheinlich nie Fresken gehabt.



Hier der Aufriss des Langhauses
mit seinen kleinen quadratischen Lichtöffnungen
im oberen Bereich.



Das Westportal sieht von innen so aus. 

Während der Renovierungsarbeiten von 1955 - 1960
wurde der Zustand der Kirche vom 13. Jhdt. wieder hergestellt.
 


Von der Treppe, die zur romanischen Kirche führt,
hat meinen einen netten Blick auf das
wesentlich kleinere und ältere Sanktuarium davor.



Der helle Klotz neben der Kirche ist nicht so schön, ...



... aber dafür fällt dieser alte Brunnen angenehm auf, ...



... der auch heute noch Verwendung findet.










Donnerstag, 14. Dezember 2017


Italien, Bonarcado (Sardinien, Provinz Oristano):
Byzantinisches Sanktuarium Nostra Signora, 
6. oder 7. Jhdt.



Dieses kleine byzantinische Kirchlein
steht im historischen Ortskern von Bonarcado
direkt auf dem Platz vor der romanischen Pfarrkirche.



Santa Signora ist ein kreuzförmiger Bau
mit einer halbrunden Apsis, die nach Nordosten weist.



Über der Mitte des Kreuzes befindet sich eine kleine Kuppel.



Das Sanktuarium wurde 
über einem römischen Vorgängerbau errichtet, ....



... der selbst wiederum
auf einem Nuraghen-Heiligtum erbaut war.



Hier der fensterlose gerade Südwestabschluss.



1110 ging das Sanktuarium
an die Kamaldulenser von San Zeno in Pisa,
die hier ein Kloster gründeten und eine neue Kirche erbauten,
die heutige romanische Pfarrkirche hinter dem Sanktuarium.



Dieses ist einige Male überarbeitet worden, ...



... was sich an diesem Fenster leicht ablesen lässt.



Die Westfassade schließlich ist romanisch 
und wurde zwischen 1242 und 1268
aus Quadersteinen aus Basalt und Trachyt errichtet.



Ihre Farbgebung ist wohl auch in Sardinien einzigartig.

Sie ist außerdem mit einem Rundbogenfries
sowie Keramikscheiben dekoriert.



Über dem Portal befindet sich diese Tafel,
die an die neuerliche Weihung im Jahr 1263 erinnert.



 Der Name "Bonarcado" stammt nämlich
von der ursprünglichen Weihung der Kirche,
nämlich Madonna "Panakhrantos" (Unbefleckt).



Innen sticht einem als Erstes
gleich ein romanischer Rundbogen ins Auge, ...



... der v.a. durch seine Dreifärbigkeit auffällt.



Gleich dahinter befindet sich die Kuppel, ...



... die vier rechteckige Lichtöffnungen hat.



Innen sind alle Arme des Kreuzes unterschiedlich lang
und mit Tonnengewölben gedeckt.



Im östlichen Arm 
kann man das große Taufbecken sehen, ...



... das im römischen Vorgängerbau 
vielleicht eine Therme war.



Auf dem Hauptaltar steht 
ein buntes Terracotta-Bild aus dem 15. Jhdt.,
das eine Madonna mit Kind zeigt,
die heute als "Nostra Signora di Bonacattu" verehrt wird.



Hier noch einmal ein Blick 
auf die ungewöhnliche rot-graue Westfassade
dieses bemerkenswerten frühchristlichen Kirchleins.





Auf jeden Fall

sehenswert!











Dienstag, 12. Dezember 2017


Italien, Porto Torres (Sardinien, Provinz Sassari):
Ehemalige Kathedrale San Gavino, Mitte 11. Jhdt.



Diese Basilika steht am westlichen Ende des Parks "San Gavino"
in der Hafenstadt Porto Torres im Norden Sardiniens ...



... und ist eine ehemalige Kathedrale im frühen toskanischen Stil.



Sie ist eine dreischiffige Basilika
mit einer West- und einer Ostapsis, aber ohne Turm.



Hier eines der drei abgetreppten Lanzettfenster 
der halbrunden Ostapsis, 
ein Kennzeichen des lombardischen Baustils.



Während die Hegemonie der Viktoriner im Judikat Cagliari 
zur Erstarrung des Kunstbetriebes führte, 
nahm das Judikat Torres an der Entwicklung der romanischen Baukunst 
auf dem italienischen Festland teil. 



San Gavino ist heute die größte, besterhaltene 
und bedeutendste pisanische Kirche aus der Zeit, 
bevor die Baumeister Buscheto und Rainaldo
mit der Errichtung des Domes von Pisa
jenen farbenprächtigen Stil prägten, 
der gemeinhin unter „pisanisch“ verstanden wird.



Die Anfänge des Bauwerks reichen in die Mitte des 11. Jhdts. zurück, 
da San Gavino bereits in der Zeit des Richters 
Barison I. von Torres (1063 – 1065) urkundlich erwähnt wird. 



Wie eine sardische Handschrift von 1470 berichtet, 
holte man für den Bau der Kirche 
„die elf vorzüglichsten und besten Steinmetze und Maurer, 
die man in Pisa auftreiben konnte“. 



Hier sind die schmalen Lanzettfenster
einfach gelaibt, nicht getreppt wie an der Ostseite.



Dieses Portal wurde im Jahre 1492 
an seinen heutigen Platz versetzt.



Darüber befinden sich einige Steinreliefs
wie dieser Löwe.



Heute geht man davon aus, 
dass San Gavino von Anfang an als Doppelapsisbau geplant war, 
und zwar mit dem Hauptaltar in der Mitte, 
wo er noch Anfang des 17. Jhdts. stand. 



Diese Vermutung hat Auftrieb erhalten, 
seit 1978 beim Entfernen der Putzschichten an den Innenwänden 
eine Baunaht in der Höhe der beiden 
westlichen Kreuzpfeiler sichtbar wurde.



Alle Details fügen sich in San Gavino 
zu einem harmonischen Ganzen 
von einer sublimen Feierlichkeit, 
deren Ursache auch in der unsardischen Großzügigkeit 
der etwa 55 m langen Anlage liegt.



Ober- und unterhalb der flachen Pultdächer der Seitenschiffe 
werden die Bögen in Zweierabständen 
von flachen Lisenen getragen. 



Dieser Doppeltakt des Blendbogenfrieses 
wurde auf Sardinien in zahlreichen späteren Kirchen kopiert, 
so in San Simplicio in Olbia und Santa Giusta. 
 


1492 fügten katalanische Bauleute
dieses große Südportal ein.



Darüber erinnert dieses Relief wohl an den Gründer
dieser herrlichen Basilika.



Auch das Nordostportal wurde
nachträglich hier eingerichtet,
durch das man die Basilika heute betritt.



Das Raumgefühl ist durch das breite, hohe Mittelschiff 
und die schmalen, niedrigen Seitenschiffe gegeben. 

Schlanke Säulenreihen, deren Rhythmus in unregelmäßigen Abständen 
von Kreuzpfeilern unterbunden wird, sind durch kurze Bögen verbunden. 

Hier oben der Blick in die Westapsis, ...
 


... während dieses Bild die Ostapsis wieder gibt.

In toskanischer Weise verwendete man 
römische Säulen aus Marmor und Granit, 
deren Vielfalt an Formen und Farbtönungen 
der feierlichen Einförmigkeit des Quaderwerks 
eine verhaltene Fröhlichkeit entgegensetzt. 



Die schlichten quadratischen Steinplatten über den Kapitellen, 
die auch in den toskanischen Kirchen des 11. Jhdts. (Grado)
und im Dom von Pisa anzutreffen sind, 
wurden während des 12. Jhdts. auf Sardinien 
und in der Toskana von nahezu allen Kirchen übernommen.



Im Gegensatz zu dem mit Balken gedeckten 
Grundtypus der toskanischen Kirchen 
besitzt hier nur das Mittelschiff eine Balkendecke. 



In den Seitenschiffen lassen die Kreuzgewölbe 
mit den unverzierten niedrigen Gurtbögen 
lombardischen Einfluss erkennen.



Im nördlichen Seitenschiff ...



... befindet sich der Abgang zur äußerst geräumigen Krypta.


 
 
Im Vorraum ist ein römischer Sarkophag aus dem 3. Jhdt. aufgestellt, 
der in einem Relief zwischen den Eheleuten 
Apollon und die neun Musen zeigt. 



Daneben befinden sich diese Figuren.



Bemerkenswert ist dieser Raum am Westende der Krypta, 
der wohl in der Renaissance gestaltet wurde ...



... und zahlreiche Statuen aufweist.



Darunter sind weitere Särge untergebracht,
die aber weitaus schlichter als der römische sind.


Als im Jahr 1614 der spanische Erzbischof von Sassari
im Innenraum von San Gavino Grabungen durchführen ließ, 
stieß man auf die Reste verschiedener älterer Bauten. 

Eigentlich suchte er die Gebeine des Märtyrers Gavinus 
und seiner Leidensgenossen Protus und Januarius, 
die der Überlieferung nach hier begraben wurden. 

Der Hl. Gavinus ist einer der „Nationalheiligen“ der Insel.






 Ein Muss für jeden Romanik-Fan,

der Sardinien besucht!